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Mit vier Tipps zum aktiven Weltbild

In meinem letzten Beitrag habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wodurch mein Weltbild am stärksten geprägt wird. Dabei habe ich festgestellt, dass ich durch die ununterbrochene Konfrontation mit Massenmedien, der ständigen Gefahr ausgesetzt bin, mein Gehirn nicht mehr aktiv zu nutzen. Stattdessen habe ich mich daran gewöhnt auf vorgefertigte Informationshäppchen in Form von Schlagzeilen und Einleitungstexten zu reagieren.

Durch dieses passive Verhalten gestatte ich es anderen meine Meinung zu kontrollieren und mein Leben zu steuern. Hier kannst Du diese Gedanken nachlesen.

Wenn Du in einer von der kapitalistischen Marktwirtschaft geprägten Welt lebst und zwischen 14 und 60 Jahren alt bist, geht es Dir vielleicht ähnlich wie mir. Die Frage ist:

Was tun wir dagegen?

Mit dem Finger auf andere zu zeigen, Erklärungen in Verschwörungstheorien zu suchen und die Freimaurer, Illuminaten oder Bilderberger dafür verantwortlich zu machen ist für mich keine Option. Denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Eine universell einsetzbare Patentlösung habe ich auch noch nicht gefunden, aber ich habe das Gefühl auf einem guten und für mich gesunden Weg zu sein. Dieser orientiert sich an den folgenden Verhaltensregeln.

1. Verzichte auf Junknews

Nachdem der Begriff Fakenews wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist, sollten wir uns dem Thema Junknews widmen. Stichwort Medienkompetenz – wenn wir schon dabei sind diese zu stärken, dann bitte richtig.

Was sind Junknews?

Wer am lautesten schreit, wird am ehesten wahrgenommen. Was schon in der Schule galt und sich auch im Arbeitsleben widerspiegelt, trifft auch auf unsere Aufmersamkeitsökonomie zu.  Die Inhalte, die uns am häufigsten begegnen, sind scheinbar besonders relevant.

Weg damit!

Was hilft es mir in meiner Entwicklung zu einem aktiv denkenden Menschen, wenn ich Schlagzeilen über Fälle von Kanibalismus oder Mordfälle lese?

Nichts!

Es ist geistiger Dreck, mit dem mein Bewusstsein konfrontiert wird und aus dem sich keine relevanten Zusammenhänge über unsere Gesellschaft oder das Weltgeschehen ergeben. Stattdessen versetzt es mich in eine Schockstarre. Denn die Kernbotschaft lautet: „Hab Angst! Du könnest der Nächste sein.“ Leider warnen diese Nachrichten mich vor den falschen Gefahren.

Also weg damit.

Worauf kann ich verzichten?

Alle Formen von flüchtigen Informationen, die keine weitere Recherche erlauben und lediglich einseitig berichten. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Newsletter und Postwurfsendungen, diese dienen zu 99 Prozent dem Zweck mir etwas zu verkaufen und werden ohnehin ungelesen gelöscht. Also warum nicht gleich abbestellen?
  • Tägliche Mail-Briefings wie zum Beispiel die Xing-News. Ein Großteil der darin enthaltenen Informationen ist für mich ohnehin nicht interessant und diese Briefings sind ein klassicher Fall von Schlagzeilen-Konsum, aus dem sich keine weiteren Erkenntnisse ergeben.
  • Twitter – Ein Großteil der Nutzer verwendet diesen Kanal, um sich als Eigenmarke zu positionieren, etwas zu verkaufen oder „lustige“ Inhalte zu teilen. Zeitverschwendung. Ich folge auf Twitter 11 Accounts und das sind mir schon fast zwei zu viel.
  • Facebook – Muss ich dazu noch etwas sagen? Allein, wenn ich mir die Profilfotos der meisten Nutzer dort ansehe wird mir schlecht.
  • Radio – Das Radio dient einzig und allein dem Zweck mich mit Werbebotschaften zu konfrontieren. Die Musik ist kaum mehr als Gedudel und wird ohnehin nicht bewusst wahrgenommen.
  • Fernsehen – Dieser Punkt bedarf hoffentlich keinerlei Erklärung. Wieso Menschen Geld dafür bezahlen, mit Werbung und Meinungsmache bombardiert zu werden, ist mir unbegreiflich. Jeder, der regelmäßig mehr als drei Stunden pro Woche fernsieht, begeht geistige und körperliche Selbstverstümmelung.
  • Alles aus dem Axel Springer Verlag. Wer dort arbeitet, macht sich an der Verdummung und der Verrohung unserer Gesellschaft schuldig. Wer dafür Beispiele benötigt, wird hier fündig: http://www.bildblog.de/

2. Lass Dich nicht vom Informationsdruck anstecken

Das Gefühl scheint allgegenwärtig: Was wenn Du eine wichtige Information verpasst hast oder alle anderen etwas wissen, was Dir vollkommen entgangen ist? – Ja, was dann?

Was soll schon passieren? Alle lachen über Dich, weil Du soooo schlecht informiert bist? Eine Horde Zombies fällt bei Dir ein und Du hast alle warnenden Vorzeichen verpasst, weil Du heute morgen auf der Toilette noch nicht Deine Mails / Facebook gecheckt hast?

Das ist Unsinn. Der Großteil an flüchtigen Informationen hat rein garnichts mit Deinem Leben zu tun. Im Gegenteil, all die bunten Videos, „lustigen“ Bilder und Top-Listen lenken Dich nur von Deinem Leben und allem was wirklich wichtig ist ab. Informationen, die für Dich tatsächlich von Relevanz sind, werden Dich schon rechtzeitig erreichen.

Probier es aus:

Verzichte eine Woche lang bewusst auf Junknews und finde heraus wie es sich auf Dich auswirkt. Wenn Du diese eine Woche geschaffst hast, verlängerst Du das Experiment auf einen Monat und bewertest Deine Situation anschließend erneut.

3. Quantität verringern , Qualität erhöhen

Vielleicht fragst Du Dich langsam, wie Du Dir überhaupt eine Meinung bilden kannst, wenn Du Dich von all den Informationen abschottest, an die Du Dich über all die Jahre so gewöhnt hast. Diesen schleimigen Informationsbrei, der Dein Hirn zwar satt macht, Deinen Körper aber nicht mit wichtigen Vitaminen und Nährstoffen versorgt.

Was tust Du, wenn Du Deine Erährung umstellst?
Du wechselst von ungesundem Essen zu gesünderem.

Und genau so funktioniert es auch mit Informationen und Meinungsbildung. Wenn Du all die Informationshappen weg lässt, ist Deine Auffassungsgabe weniger erschöpft und Du findest mehr Zeit, um Dich mit längeren (und informativeren) Texten zu beschäftigen. Gelingt es Dir, diese Inhalte aufmerksam zu lesen und über ihren Informationsgehalt nachzudenken, tust Du Dir und Deiner Umwelt einen großen Gefallen.

Denn dann bist Du nicht mehr in dieser geistigen Trägheit gefangen, sondern kannst Deine Mitmenschen anhand Deiner Einsichten inspirieren. – Und damit meine ich nicht andere über ihre Lebensweise zu belehren oder sich aufzudrängen, wohlgemerkt.

Ich bin Abonnent der „Zeit“ und der „F.A.Z. Woche“ und kann beide Zeitschriften empfehlen. Natürlich muss man sich erst daran gewöhnen längere Artikel zu erfassen, aber zum einen erscheinen diese Publikationen nur wöchentlich, so dass sich Zeiträume finden, um darin zu lesen. Und zum anderen muss man die Zeitungen ja nicht von der ersten bis zur letzten Seite konsumieren. Bei mir werden zum Beispiel der Sportteil und der Feuilleton, direkt entsorgt.

4. Sprich mit anderen

Die Gespräche beim Mittagessen oder der nächsten Party müssen sich nicht immer um den doofen Chef, den letzten Urlaub, oder die neueste Staffel von Game of Thrones drehen. Auch wenn es zunächst vielleicht etwas befremdlich wirkt oder es geradezu trivial klingt, rate ich Dir dazu Dich mit Deinen Mitmenschen darüber auszutauschen was Euch als Mensch beschäftigt oder Ihr vor kurzem gelesen habt. Die meisten Menschen sind offen für einen Gedankenaustausch, dankbar für neue Ideen und Inspirationen. Außerdem erfährst Du dabei mehr über Deine Mitmenschen und die Werte an denen sie sich orientieren.

Kultiviere in Deinem engerem Kreis ein Klima der Offenheit. Eine Gesellschaft in der man nicht immer einer Meinung sein muss und über andere Sichtweisen zumindest sprechen darf, um diese zu verstehen und zu überprüfen – ohne gleich Ablehnung zu erfahren. Dadurch lernen wir voneinander, entwickeln wir uns als Menschen weiter und bauen wir Freundschaften auf.

Und das bedeutet nicht, dass man mit Dir nicht auch über triviale Themen reden oder Spaß haben kann.

Schluss

Manches von dem hier Geschriebenen mag offensichtlich wirken. Aber der eigentliche Nutzen ergibt sich erst aus der Anwendung im Alltag.

Wenn Du weniger vom Falschen aufnimmst, mehr vom Richtigen an Dich heran lässt und Dich darüber mit Deinen Mitmenschen austauschst, wirst Du als Person wachsen, weniger gestresst sein und mehr Energie für andere Lebensbereiche haben.

Die nächste Frage lautet dann:

Wie nutzen wir unsere Energie sinnvoll?

Autor:

Andreas hat Geschichte, Informatik und Pädagogik studiert, als Programmierer sein Glück versucht, Unternehmen in der Digitalen Analyse beraten und setzt sein Wissen heute ein, um den Zukunftssektor Energiewirtschaft als Prozessmanager weiter nach vorne zu bringen. Wenn er neben Beruf und Familie Zeit für sich findet, verbringt er diese mit Experimenten, Lesen und (manchmal etwas) zu viel Nachdenken. Du findest Andreas auch auf Twitter.

2 Kommentare

  1. Pingback: Was stimmt nicht mit unserem Weltbild? | Andreas Wienes

  2. Wesentlich ausführlicher hat der Unternehmer und erfolgreiche Autor Rolf Dobelli die Auswirkungen des News-Konsums diskutiert. In seinem Essay „VERGESSEN SIE NEWS! – Für eine gesunde Nachrichten-Diät“ beleuchtet er die negativen Folgen und plädiert für den totalen Verzicht auf News. http://www.dobelli.com/de/essays/news-diat-full/

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