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Wie schaffe ich es schöpfersich tätig zu sein?

Ich strebe danach schöpferisch tätig zu sein und anstatt ständig nur Informationshäppchen zu konsumieren, selbst etwas zu produzieren. Im schöpferischen Handeln besteht für mich der Sinn des Lebens, denn dadurch gestaltet der Mensch aktiv die Welt in der er lebt – zum Positiven wie auch zum Negativen. Wobei das Negative meistens eine Folge von Passivität oder Inaktivität ist.

Ich erschaffe, also bin ich!

Doch wie schaffe ich das eigentlich? Als verheirateter Mann und berufstätiger Vater, der allerhand Ideen hervorbringt und regelmäßig großen Tatendrang verspürt, aber per se knapp an Zeit und Energie ist.

Welche Rahmenbedingungen sind erforderlich, damit ich schöpferisch tätig sein kann?

Da mir immer nur kurze Zeitfenster zur Verfügung stehen und diese sich meistens spontan ergeben, frage ich mich seit einigen Wochen, wie es mir gelingen kann, möglichst schnell und regelmäßig in einen Modus zu kommen, der es mir ermöglicht etwas zu erschaffen.

Dabei habe ich beobachtet, dass egal woran ich arbeite,  mir die Arbeit immer am leichtesten von der Hand geht, wenn die folgenden Rahmenbedingungen gegeben sind.

1. Druck oder Erwartungen

Um überhaupt anzufangen benötige ich einen initialen Impuls, in Form einer intrinsischen oder extrinsischen Motivation, die mich dazu zwingt mich für mindestens 10 Minuten mit einem Thema zu beschäftigen. Meine Aufmerksamkeit muss geweckt werden und das Thema muss so interessant sein, dass ich unbedingt dran bleiben möchte. Warum sollte ich sonst überhaupt damit anfangen?

Der initiale Funke kann durch Neugier entfacht werden. Ein Auftrag oder eine externe Anweisung kann mich dazu zwingen mich mit etwas auseinander setzen zu müssen. Manchmal stehe ich vor einer Herausforderung (wie zum Beispiel, dass meine Hosen nicht mehr passen), oder etwas ärgert mich so sehr, dass ich es unbedingt ändern möchte.

Diese Motivatoren sorgen dafür, dass ich überhaupt in Bewegung komme und wenn es gut läuft entsteht am Ende dieser Bewegung etwas Neues. Ich war schöpferisch tätig.

Apropos Druck:

Dazu ein Gedanke bei dem ich beim besten Willen nicht weiß, wie ich ihn vernünftig in diesem Beitrag unterbringen soll. Wer Druck braucht um besser zu arbeiten, kann auf ein einfaches Mittel zurück greifen. Wasser. Klar wir sollten alle ausreichend trinken, damit das Gehirn flüssig arbeitet, aber dieser Gedanke führt noch viel weiter.

Wer viel trinkt, muss dieses Wasser auch irgendwann weg bringen. Wenn man diesen Gang allerdings solange heraus zögert, bis ein gesetztes Ziel erreicht ist, arbeitet man plötzlich viel schneller und fokussierter auf die Erfüllung dieser Aufgabe hin.

Wer das für Unsinn hält, sollte es selbst ausprobieren.

2. Ein Thema oder Objekt, an dem ich mich abarbeite

Ich habe das Pädagogik-Studium gehasst und die meisten Veranstaltungen mit erheblicher Abneigung besucht. Aber ein Gedanke ist mir im Gedächtnis geblieben:

Der Mensch braucht etwas woran er sich abarbeiten kann. Nur dann kann er sich weiterentwickeln.

Leider weiß ich nicht mehr genau von wem diese Aussage stammt, so spannend war die Vorlesung dann doch nicht. Aber ich vermute sie kommt von Wilhelm von Humboldt.

Mir muss also während meines Schaffens klar sein womit ich mich überhaupt beschäftige.

Soll damit ein bestimmter Zweck erfüllt werden oder eine Botschaft entstehen?
Sind mit dem Ergebnis bestimmte Absichten verbunden, die es zu erreichen gilt?
Oder handelt es sich nur um eine Spielerei, bei der alles erlaubt ist, aber nichts muss?

Nur wenn ich mir darüber bewusst bin, kann ich den Rahmen meines Handelns bestimmen und weiß worauf ich ungefähr hinaus will.

Das klingt trivial, aber wenn ich nicht weiß was ich am Ende des Tages erreicht haben möchte, laufe ich Gefahr Stunde um Stunde zu vertrödeln. Tag für Tag. Bis plötzlich das Licht ausgeht…

Außerdem hilft das Wissen darum warum man einer Tätigkeit nachgeht, dabei durchzuhalten, auch wenn die Energie mal knapp ist.

3. Raum

Jeder Mensch verfügt in unterschiedlichen Ausprägungen über die folgenden sieben Ressourcen: ZeitGesundheit, Intelligenz, Aufmerksamkeit, Geld, Energie und ein soziales Netzwerk

Auf die Leistung meines Gehirns habe ich unter normalen Bedingungen keinen großen Einfluss. Wenn meine Gesundheit versagt, habe ich weitaus größere Probleme. Geld und ein soziales Netzwerk helfen mir nur bedingt dabei schöpferisch tätig zu sein. (Die meiste Zeit halten sie mich sogar davon ab.)

Es verbleiben also zwei Faktoren, die in meiner Hand liegen und einen Einfluss auf mein schöpferisches Handeln haben: Zeit und Energie.

Beide muss ich mir nehmen. Und zwar regelmäßig. Andernfalls rauben mir die Aufmerksamkeitsdiebe jede Gelegenheit, in der ich schöpferisch tätig sein könnte. So lange bis mein Energie komplett verbraucht ist und ich nur noch in der Lage bin Netflix anzuschalten und dann anschließend im warmen Bett neue Kraft zu sammeln.

Dann ist ein weiterer Tag vergangen und der Zeiger auf der großen Lebensuhr hat wieder einen Schritt nach vorn gemacht.

Wenn ich mich einer schöpferischen Tätigkeit widme, heißt es Tür zu und alle Benachrichtigungen aus. Ich möchte mich in meine Arbeit vertiefen und möglichst schnell, in einen produktiven Modus gelangen, damit ich mit dem Werk an dem ich arbeite voran komme.

Um schnell in den „Tunnel“ zu kommen, höre ich meistens die Sets von Michael Päßler. Die Tracks von Lesterr kann ich auch sehr empfehlen. Für mich besteht der Trick darin, immer wieder die gleiche Schleife zu hören. Wenn ich anfange zu arbeiten, geht die Musik an und ich bin im Tunnel. Die Musik hat mich darauf konditioniert.

4. Werkzeug

So wie ein Künstler seine Farben und Pinsel beherrscht, muss auch ich die Werkzeuge kennen, mit denen ich arbeiten will. Sei es der Texteditor mit dem ich schreibe, ein Content Management System wie WordPress,  eine Bildbearbeitungssoftware, oder ein Videoschnittprogramm.

Es geht dabei nicht darum möglichst viele oder exotische Tools zu kennen, oder alle Tastenkürzel auswendig zu lernen. Ich bevorzuge einfache Tools, mit denen ich schnell starten kann, ohne mich erst lange durch alle Einstellungsmöglichkeiten arbeiten zu müssen.

Tools müssen funktionieren!

Nur so bin ich produktiv und verplempere keine Zeit.

Ich habe zum Beispiel viel Lebenszeit damit verschwendet mir alle möglichen Programmiersprachen anzusehen und mit unterschiedlichen Frameworks zu spielen. Wenn ich mich stattdessen darauf konzentriert hätte nur ein bis zwei Sprachen (zum Beispiel Python und JavaScript) zu erlernen und diese problemorientiert angewendet hätte, wäre es mir wahrscheinlich viel öfter gelungen etwas zu erschaffen.  Stattdessen war das Ausprobieren von Tools meine eigentliche Beschäftigung anstatt Mittel zum Zweck.

Gleiches gilt für das ewige herum Konfigurieren an Systemen. Sie müssen einfach funktionieren, ihren Zweck erfüllen und effektive Werkzeuge sein.

5. Wissen und Erfahrung

Erfahrung ist nicht zwingend erforderlich, aber es hilft natürlich wenn ich sie in mein Schaffen einfließen lassen kann. Aus irgendwelchen Gründen muss ich ja in der Lage sein, mich mit einer konkreten Aufgabe zu beschäftigen.

Wenn es mir an Erfahrung mangelt, muss ich diese durch Fleiß aufwiegen. Dabei sollte ich versuchen auf den Erfahrungsschatz anderer zurückzugreifen. Das setzt voraus, dass ich in der Lage bin zu erkennen, wer wirklich Ahnung von etwas hat und wer nur so tut als ob, um seine Position zu verteidigen. Ich orientiere mich ausschließlich an Menschen, von denen ich etwas lernen kann.

Fehlendes Fachwissen kann ich mir jederzeit aneignen. Denn es war noch nie so einfach an jede mögliche Art von Informationen zu gelangen. Die Kunst besteht allerdings darin, die relevanten von den weniger wichtigen zu unterscheiden.

Und diese Informationen dann in einen Kontext zu setzen, stellt eine Transferleistung dar, die ich erbringen muss. Dafür benötige ich Zeit und Energie.

Twitter und mein News-Feed sind zum Beispiel voller Informationen. Jede für sich stellt einen kleinen Happen dar, den ich unterwegs konsumieren kann, um meinem Gehirn Futter zu geben. Auf diese Weise fühle ich mich für den Augenblick unterhalten und kann, wenn ich Glück habe an den Gesprächen beim Mittagessen oder an der Kaffeemaschine partizipieren.

Bin ich deshalb informiert und in der Lage, das größere Bild zu erkennen, welches sich beim Zusammenfügen der Informationen ergibt?

Um schöpferisch tätig zu sein, muss ich nicht nur meine Werkzeuge beherrschen, sondern mich auch auf ein solides Fundament von Wissen und Erfahrung stützen können.

Sollte ich nicht in der Lage sein mir einen Zugang zu diesem Wissen zu verschaffen oder mir der nötige Fleiß fehlen, um schnell Erfahrung aufzubauen – bin ich wahrscheinlich der Falsche, um mich an diesem Thema abzuarbeiten. Ich werde keinen Erfolg haben und nichts kreieren, das für irgendjemanden von Nutzen ist.

Ende.

 

Autor:

Andreas hat Geschichte, Informatik und Pädagogik studiert, als Programmierer sein Glück versucht, Unternehmen in der Digitalen Analyse beraten und setzt sein Wissen heute ein, um den Zukunftssektor Energiewirtschaft als Prozessmanager weiter nach vorne zu bringen. Wenn er neben Beruf und Familie Zeit für sich findet, verbringt er diese mit Experimenten, Lesen und (manchmal etwas) zu viel Nachdenken. Du findest Andreas auch auf Twitter.

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