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Erfahrungsbericht – Sechs Monate mit dem iPad Pro 12,9

Nach sechs Monaten mit dem iPad Pro 12,9 Zoll veröffentliche ich einen kurzen Erfahrungsbericht. Ich hoffe dieser Artikel hilft Dir herauszufinden, ob ein iPad zu Deiner Arbeitsweise passt.

Die Kaufentscheidung

„Der beste Computer ist vielleicht keiner“ – Mit Dieser Anzeige bewarb Apple im Juni 2017 seine neuen iPads. Da ich schon einige Monate zuvor mit dem Gedanken spielte mein MacBook Air (2012) durch ein aktuelleres Gerät abzulösen und die Eingabe per Stift mich seit langem faszinierte, war für mich klar, dass ich mir die neuen iPads genauer ansehen werde.

Zuerst hatte ich die Variante mit 10,5 Zoll Displaygröße ins Auge gefasst. Aber nachdem ich dann die Version mit 12,9 Zoll im Apple Store ausprobiert hatte, konnte ich mir nicht mehr vorstellen, mit dem kleineren Format dauerhaft glücklich zu werden.

Meine Bedenken

Der Preis von knapp 1.000 Euro für das iPad, plus weitere 250 Euro für den Apple Pencil und die Slim Combo Tastatur von Logitech, war hoch und ich musste mir genau überlegen, ob diese Investition gerechtfertigt ist. In diesem Punkt war ich mir unsicher, denn das schon vorhandene iPad Air wurde von mir zum Zeitpunkt meiner Überlegungen nur selten genutzt. – Was unter anderen an der bis dahin noch nicht ganz ausgereiften Stifteingabe lag.

Das zweite Gegenargument war die Frage, ob ich überhaupt Zeit finden würde, dieses Gerät zu verwenden. Die Anschaffung eines neuen Werkzeugs lohnt sich am meisten, wenn man es im Arbeitsalltag einsetzen kann. Ich wusste allerdings nicht, wie meine Kollegen reagieren, wenn ich in einem Termin Notizen auf dem iPad anfertige. Denn was passiert mit den Daten, die ich beruflich auf meinem privaten iPad erstelle und am Ende des Tages aus dem Unternehmen mitnehme?

Das Haben-Wollen hat gesiegt

Trotz meiner Bedenken, hat der Wunsch nach den Möglichkeiten, die ich mir von diesem Gerät versprach gesiegt und ich habe mich letztlich für den Kauf entschieden. Diesen Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut.

Warum das iPad ein gutes Arbeitsgerät ist, erfährst Du im Folgenden.

Einsatzbereiche

Mobiles Arbeiten

Das iPad Pro ist ganz eindeutig zum Arbeiten gemacht. Für das gelegentliche Surfen auf der Couch ist es den meisten Nutzern wahrscheinlich zu teuer und die darin verarbeitete Technik ist dafür auch zu hochwertig.

Beim Kauf hatte ich mich gegen einen zusätzlichen Mobilfunkvertrag für mobiles Internet entschieden und stattdessen darauf vertraut, dass der mobile Hotspot meines iPhones in Verbindung mit öffentlichen Wifi-Hotspots für meine Bedürfnisse ausreicht. Diese Einschätzung hat sich bis heute bewahrheitet und ich bin froh, mich für die preiswertere Alternative ohne Sim-Karte entschieden zu haben.

Das iPad Pro wiegt inklusive Logitech Tastatur und dem Apple Pencil ca. 1,3 Kilogramm und ist mit dem MacBook Air vergleichbar. Ich finde das Gesamtgewicht für ein derart performantes und vielseitiges Gerät absolut akzeptabel und kann es ohne Probleme am langen Arm von Termin zu Termin tragen.

Die Bildschirmgröße von 12,9 Zoll erscheint mir auch heute noch etwas ungewohnt. In der Praxis ist dieses Format für mich aber ideal zum mobilen Arbeiten. Und das besteht bei mir im Wesentlichen aus der Verwendung von Texteditoren und Browsern sowie dem Erstellen von handschriftlichen Notizen und Zeichnungen. Mein altes iPad Air kommt mir im Vergleich zum Pro winzig vor und ich könnte mir nicht vorstellen damit vergleichsweise gut zu arbeiten. Insofern war die Entscheidung etwas mehr Geld auszugeben, um dafür mehr Arbeitsfläche zu bekommen richtig.

So komisch es klingen mag, aber die Akkulaufzeit kann ich kaum beurteilen, da ich das iPad gefühlt so selten auflade, dass es mir gar nicht bewusst auffällt. Ich denke ich lade es 1-2 Mal pro Woche. Verwende es aber auch nicht so intensiv wie das von meinem Arbeitgeber zur Verfügung gestellte Notebook. Etwas Klarheit in die tatsächliche Laufzeit bringt mir die App Battery HD.

Demnach könnte ich theoretisch knapp 7 Stunden im Netz surfen oder über 10 Stunden lesen, bevor der Akku leer ist.

Entertainment

Ich verwende das iPad nicht zum Spielen und nur selten zum Ansehen von Videos. Daher kann ich wenig über seine Tauglichkeit im Entertainmentbereich berichten.

Mein Gerät bietet mit 256 Gigabyte allerdings viel Speicherplatz für Videos und Spiele. Das Display ist sehr hell, die Farben kräftig und die Auflösung mit 2732 x 2048 Pixeln angenehm scharf. Die vier Boxen bieten zudem einen klaren und vollen Klang, der sich bei der Medienwiedergabe positiv bemerkbar macht.

Apps für alle Fälle

Trotz des großen Speichers versuche ich die Anzahl der Apps auf meinem iPad auf das Wesentliche zu reduzieren. Dadurch vermeide ich es Anwendungen mit Updates versorgen zu müssen, die ich nur selten verwende. Außerdem bleibt das Gerät performant, weil es nicht ständig im Hintergrund unnötige Softwarepakete verwalten und verknüpfen muss.

Essentials

Ich verwende die von Apple bereitgestellten Tools Safari, Notes, Mail, Kalender und Erinnerungen für die Erledigung aller grundlegenden Aufgaben. In den vergangenen Jahren habe ich viel mit anderen Programmen, wie Trello, Evernote und OmniFocus experimentiert.

Am Ende leisten die von Apple gelieferten Tools aber einen sehr guten Dienst und reichen für meinen Privatgebrauch vollkommen aus. Zudem vertraue ich der Apple iCloud mehr als kleineren Startups, wenn es um die sichere Synchronisation und Verfügbarkeit meiner Daten geht.

Für umfangreichere Projekte und zum kollaborativen Arbeiten greife ich zu Lösungen mit einem größeren Featureumfang, der über die Möglichkeiten der Apple Tools hinaus geht.

Um beim Surfen auf dem iPad nicht mit Werbung bombardiert zu werden und um mich mittels Anti-Tracking vor Datensammlern zu schützen, habe ich den alternativen Browser Firefox Klar installiert, dessen Technologie auch in Safari genutzt werden kann.

Dokumente erstellen, bearbeiten und teilen

Für Notizen und zum Festhalten meiner Gedanken verwende ich Apple Notes. Neue Blogartikel erstelle ich direkt in der WordPress App, die neben dem Browser die meiste Zeit geöffnet ist. Für kleinere Zeichnungen und zum Entwickeln von Konzepten verwende ich zumindest in der Entwurfsphase das kostenlose Tool Paper. Darin sind dank der sehr guten Stifteingabe und der übersichtlichen App-Gestaltung in den vergangenen sechs Monaten überraschend viele Dokumente entstanden. Auf einen Notizblock und das umständliche Durchsuchen von handschriftlichen Notizen kann ich dank dem iPad Pro vollständig verzichten.

Eigentlich verwende ich die Google Office Tools regelmäßig und gerne im Browser meines MacBooks. Auf dem iPad können mich die Apps hingegen nicht hundertprozentig überzeugen. Dennoch verwende ich für kleinere Kalkulationen das kostenlose Google Sheets. Denn für das Office 365 Paket (knapp 70 Euro pro Jahres-Abo) war ich bisher einfach zu geizig. Anwendungen wie Word, Excel und PowerPoint sind für das professionelle Arbeiten aber unverzichtbar und werden wahrscheinlich auch bald auf meinem iPad landen.

Auch wenn Notes mittlerweile Dokumente scannen kann, verwende ich zur Zeit noch den TinyScanner zum Einscannen und für den schnellen Mail-Versand als PDF. Apple hat mit der neuen Version von Notes allerdings vieles richtig gemacht und ich probiere gerade aus, ob ich damit auf TinyScanner verzichten könnte.

Zur Verwaltung von PDFs, wie Bedienungsanleitungen, Musiknoten und Tickets, verwende ich Apple iBooks. Das ist vielleicht nicht der idealste Weg, aber immerhin eine Lösung mit der ich meine Dateien dank iCloud über alle Geräte hinweg synchronisieren kann. Damit ist Dropbox für meinen eigenen Sync-Prozess auch so gut wie überflüssig geworden.

Das Teilen von Informationen ist, dank der systemweit verfügbaren Share-Funktionalität, sehr gut umgesetzt und fühlt sich intuitiv an. Für den Austausch von Dateien mit Dritten muss ich weiterhin Dienste wie Google Drive und Dropbox nutzen. Mit dieser Lösung bin ich aber aus Datenschutzgründen nicht glücklich und suche nach Alternativen.

Im wichtigsten Bereich meines Arbeitsalltags, dem Umgang mit Dokumenten, ist das iPad Pro unterm Strich sehr praxistauglich.

Medienkonsum

Zum Lesen von Büchern und Artikeln verwende ich die Kindle App, Pocket und Feedly, die auf dem iPad sehr gut funktionieren und ausgezeichnet zusammen spielen. Neuer Content landet aus den RSS-Feeds in Feedly und wird von dort aus in Pocket abgelegt, damit ich ihn dann unterwegs lesen kann. Bücher und Leseproben werden in der Amazon App bestellt und in die Kindle App geladen. Im Hintergrund synchronisiert Amazon meine Bücher, Notizen und Anmerkungen zwischen den Amazon-Geräten.

Ich spiele regelmäßig Ukulele und verwende die YouTube App um mir Tutorials für Lieder und Spieltechniken anzusehen. Mit der App Video Pro, lade ich mir außerdem YouTube Videos herunter, die ich mir dann später offline ansehen kann.

Um Neues zu lernen und mich intensiver in Themen einzuarbeiten verwende ich neben Büchern Tools wie Coursera und Udemy. Beide Apps bieten eine Download-Funktion der Kursinhalte, so dass dem mobilen Lernen nichts mehr im Wege steht.

Musik die zu meiner Arbeitsweise passt, streame ich über Spotify und SoundCloud. Dort höre ich auch die Sets meines Lieblings-DJs Michael Pässler.

Mittels Twitter informiere ich mich darüber, was die Welt gerade bewegt.

Programmierung

Mittlerweile programmiere ich weniger als in der Vergangenheit. Um existierende Tools spontan anzupassen oder etwas auszuprobieren verwende ich Coda als IDE. Mittels Termius und dem FTPManager habe ich Zugriff auf meinen Webserver und kann dort falls erforderlich Anpassungen vornehmen.

Eigentlich bin ich ein großer Freund von Online-IDEs wie Cloud9, diese funktionieren auf dem iPad im Safari-Browser zu meinem Leidwesen aber nicht wie vom MacBook gewohnt.

Datenbankserver und Node.js-Instanzen lassen sich auf dem iPad leider nicht starten, was für Entwickler, die eine lokale Entwicklungsumgebung benötigen, ein klarer Nachteil ist. In der Tat ist das auch einer der wenigen Gründe warum ich mein MacBook Air ab und an noch einschalten muss.

Zubehör

In den meisten Alltagssituationen komme ich mit relativ wenig Zubehör aus.

Als Schutz vor Schäden und für ein besseres Schreibgefühl habe ich mir das Logitech Slim Combo Case geleistet. Damit habe ich aber nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Mehr dazu werde ich in Kürze in einem Review dieser Kombination aus Schutzhülle und Tastatur schreiben.

Der Apple Pencil darf natürlich nie fehlen und gehört aus meiner Sicht für jeden iPad Pro Besitzer zur Grundausstattung. Der Pencil ist leicht, der Akku hat eine gute Laufzeit und wird schnell geladen. Ich habe meinen Pencil übrigens mit einem kleinem Gummigriff versehen, damit er besser in der Hand liegt und mir nicht so schnell vom Tisch rollt. Den Gummiüberzug habe ich mir von einem alten Fineliner geliehen.

Was mich ein bisschen nervt, ist die Art wie der Stift aus dem Gerät herausragt, wenn man ihn zum Laden ansteckt und die Tatsache, dass die Kappe des Stifts so schnell verloren gehen kann. Trotzdem möchte ich auf den Apple Pencil nicht mehr verzichten.

Ich besitze außerdem einen HDMI-Adapter, den ich bisher allerdings nicht einsetzen musste. Wer das iPad für Präsentationen nutzen möchte, sollte sich diesen Adapter, plus die VGA-Variante allerdings zulegen. Beide sind mit ca. 50 Euro pro Gerät leider relativ teuer.

Fazit

Ich habe den Kauf des neuen iPad Pro nie bereut und arbeite sehr gerne damit. Obwohl ich das Gerät schon einige Monate besitze, bin ich immer noch darüber erstaunt wie Apple es geschafft hat, so leistungsfähige Hardware in einem so leichten und dünnen Gerät zu verbauen.

Was besser sein könnte

Das iPad ist ein treuer Begleiter und es gibt nur wenige Punkte bei denen ich mir noch Verbesserungen wünsche. Im Moment schalte ich mein MacBook nur noch ein, um die Steuererklärung vorzubereiten, wenn ich eine lokale Entwicklungsumgebung benötige, oder viele Fotodateien organisieren muss.

Beim Thema Entwicklung bin ich mit dem iPad noch nicht ganz glücklich, da lokale Dienste nicht gestartet werden können und Online IDEs wie Cloud9 nicht wirklich gut funktionieren. Letzteres liegt aber weniger am iPad, sondern an der Browserengine, die derartige Umgebungen nicht optimal unterstützt.

Was mir am meisten fehlt sind USB-Anschlüsse. Diese lassen sich mittels Adapter zwar nachrüsten, aber das ist teuer und wer will schon mit zwei Adaptern für HDMI und USB durch die Gegend laufen. Ich verstehe natürlich, dass der uralte USB-Anschluss nicht mit dem Formfaktor des schlanken iPads harmoniert, aber für eine eine Alternative mittels USB-C wäre ich dankbar.

Was mir wirklich gut gefällt

Das iPad ist immer an und ich kann es ohne Wartezeit verwenden. Ein Handgriff genügt und es ist einsatzbereit. Diesen hohen Grad an Verfügbarkeit wünsche ich mir von einem Arbeitsgerät.

Die Gestensteuerung war für mich einer der wichtigsten Gründe mich für ein iPad und gegen das Microsoft Surface zu entscheiden, auch wenn letzteres viele Vorteile bietet. Die Verwendung von Gesten ist einfach ungeheuer intuitiv.

Ich liebe es lüfterlos zu arbeiten. Das iPad wird zwar manchmal an einer Stelle etwas wärmer, aber ich bin froh einen leistungsfähigen Computer in den Händen halten zu können, der ohne Lüftergeräusche auskommt.

Die Helligkeit und Farbbrillanz des Displays sind große Pluspunkte, genauso wie der volle Sound der vier Boxen.

Der Split-Screen macht auf dem großen Display viel Spaß und vereinfacht das Arbeiten sehr.

Insgesamt muss ich sagen, dass Apple unglaublich gut darin ist leistungsfähige Hardware mit optimal abgestimmter Software zu kombinieren. Und das macht ein iPad / iPhone aus meiner Sicht zu dem was es ist.

Ein teures aber hochwertiges Produkt.

Dass das iPad wirklich der bessere Computer ist, kann ich nicht bestätigen, denn dafür gibt es auf Ebene des Betriebssystems noch zu viele Einschränkungen. Wenn ich auf die letzten 20 Jahre zurückblicke stelle ich allerdings fest, dass ich in dieser Zeit mit sehr vielen Computern gearbeitet habe. Dabei hat sich bisher keiner so gut, innovativ und „convenient“ angefühlt wie das iPad Pro.

Hinweis zu den Bildquellen:
Die Rechte für das Bild am Anfang dieses Beitrags liegen bei Apple und sollen durch diesen Beitrag in keiner Weise verletzt werden. Alle anderen Bilder wurden von mir selbst erstellt.

Autor:

Andreas hat Geschichte, Informatik und Pädagogik studiert, als Programmierer das Glück gesucht und Unternehmen in der Digitalen Analyse beraten. Heute setzt er sein Wissen ein, um den Zukunftssektor Energiewirtschaft als Prozessmanager weiter nach vorne zu bringen. Wenn er neben Beruf und Familie Zeit für sich findet, verbringt er diese mit seiner Ukulele, Experimenten, Lesen und (manchmal etwas) zu viel Nachdenken. Hier erfährst Du mehr über Andreas und seine Motivation. Wenn Du über neue Beiträge informiert werden möchtest, kannst Du Andreas auf Twitter folgen.

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