Suche
  • Gedanken über
  • das gute Leben, Menschen und Technologien
Suche Menü

Things I have learned – Woche 37

1. Gute Kollegen sind die besseren Beifahrer

Jeder der irgendwann mit dem Autofahren angefangen hat, kennt das Gefühl. Man kämpft mit der Kupplung, darf nicht zu langsam aber auch nicht zu schnell fahren und muss permanent auf andere Verkehrsteilnehmer achten. All das kann am Anfang einer Autofahrerkarriere ziemlich stressig werden. Dazu kommen dann noch die schlecht gelaunten bis panischen Kommentare des Beifahrers. “Bremsen! Hier kannst Du schneller fahren! Hast du die Ampel nicht gesehen?!”

Solche Hinweise können dazu führen, dass der Anfänger besser fährt. Im ersten Moment wird es ihn aber wohl eher frustrieren immer wieder auf sein unsicheres Verhalten angesprochen zu werden.  Durch die ständige Angst die Erwartungen des Beifahrers nicht zu erfüllen, wird er schließlich noch unsicherer. Was dazu führen kann, dass das Autofahren keinen Spaß mehr macht oder man den dauer-nörgelnden Beifahrer meidet.

Neue Mitarbeiter sind wie Fahranfänger. Sie verhalten sich aufgrund der neuen Umgebung und der vielen noch unbekannten Regeln unsicher. Gleichzeitig wollen sie beweisen, dass sie in der Lage sind selbst das Steuer zu übernehmen.

Um die Motivation neuer Mitarbeiter nicht zu mindern und ihnen den Spaß an der Arbeit nicht zu nehmen, sollten erfahrenere Kollegen es vermeiden den nörgelnden Beifahrer zu spielen. – Anstatt mangelnde Geschwindigkeit oder unsicheres Verhalten zu kritisieren, tun die alten Hasen gut daran die neuen Kollegen von Anfang an mit Ratschlägen zu unterstützen und ihnen dabei zu helfen die nötige Sicherheit zu erlangen.

2. Was wäre nötig, damit…

Oft höre ich, dass etwas nicht möglich wäre oder bei einem Projekt kein Frotschritt möglich sei. Eine konstruktive Möglichkeit mit solchen Hindernissen umzugehen, habe ich von einem Kollegen erlernt. Anstatt sich mit der Situation abzufinden oder sich lediglich nach dem Warum zu erkundigen, stellt mein Kollege die folgende Frage:

Was wäre nötig, damit … passieren kann?

Mit dieser Frage nimmt er denjenigen, der behauptet etwas sei nicht möglich, in die Verantwortung aktiv über Lösungswege nachzudenken. Und das führt oft zu erstaunlichen Ergebnissen.

Allerdings impliziert die Frage auch, dass es überhaupt eine Lösung gibt und dass der Gegenüber bereit ist die erforderlichen Schritte umzusetzen. Diese Art sich nach einer Lösung zu erkundigen, kann manipulativ wirken und setzt daher gegenseitiges Vertrauen und einen respektvollen Umgang miteinander voraus.

3. Mit dem GROW-Modell Ziele erreichen

Dieses Modell hat seinen Ursprung im Coaching und war mir bisher unbekannt. Mit einer Reihe von Fragen wird ein Ziel definiert und ein möglicher Weg zu seiner Erreichung entwickelt. Die Abkürzung GROW steht für:

  • Goal – Was soll erreicht werden und welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein?
  • Reality – Was passiert gerade und was wurde bisher versucht um das Ziel zu erreichen?
  • Obstacles and Options – Welche Hindernisse halten Dich davon ab Dein Ziel zu erreichen? Was kannst Du unternehmen, um diese Hindernisse zu überwinden?
  • Way Forward – Wer wird was als nächstes tun, um das Ziel zu erreichen?

Was mir an diesem Modell besonders gefällt, ist seine Einfachheit und der analytische Ansatz. Außerdem basiert es auf dem Grundprinzip, dass man selbst die Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss. Aus meiner Sicht ist das etwas, was jeder von kleinauf lernen sollte. Ausführliche Informationen zum GROW-Modell findest Du bei Wikipedia.

4. Mit dem Ampel-System Risiken erkennen

Beruflich wie privat komme ich immer wieder in Situationen in denen ich mich frage, warum ich den Winkelzug meines Gegenübers nicht früher habe kommen sehen. Das Ampel-System hilft mir andere Menschen besser einzuschätzen und in heiklen Situationen geschickter zu agieren.

Dabei bekommt jede Person, mit der ich häufiger zu tun habe, mental eine Farbe zugeordnet.

Grün: Diese Person kommuniziert offen ihre Absichten und wie sie sich mir und anderen gegenüber verhalten wird. Hier brauche ich nicht mit bösen Überraschungen rechnen.

Orange: Diese Personen verhalten sich die meiste Zeit über fair. Da sie allerdings nicht immer deutlich machen was sie motiviert, ist ihr Handeln manchmal schwer nachvollziehbar. Solange man sich gegenseitig nicht in die Quere kommt, gibt es hier aber keine Konflikte zu befürchten.

Rot: Hier ist Vorsicht geboten. Diese Menschen verfolgen ihre eigenen Ziele, die im schlimmsten Fall zu meinen konträr sind. Daraus können unangenehme Konflikte entstehen. Was hier hilft ist frühzeitig in den Dialog zu treten, um eine gemeinsame Vertrauensbasis herzustellen. Darauf aufbauend können Lösungen gesucht werden, bei denen die gegenseitigen Interessen gewahrt bleiben, ohne dass jemand sein Gesicht verliert.

Eigentlich sollte ein Ampel-System für den Umgang mit Menschen überflüssig sein. Meine Realität sieht jedoch anders aus und bei Zeitgenossen aus der roten Kategorie, hilft es mir riskante Situationen schneller zu erkennen und angemessen zu reagieren.

Im Kern geht es immer darum, die wahren Motive einer Person zu verstehen. Umso einfacher das ist, desto weniger Risiko geht von diesem Menschen aus. Danke an Malte für diesen Tipp!

Autor:

Andreas hat Geschichte, Informatik und Pädagogik studiert, als Programmierer das Glück gesucht und Unternehmen in der Digitalen Analyse beraten. Im Moment meistert er die Herausforderungen eines Product Owners in der Business Intelligence der OTTO Group. Wenn er neben Beruf und Familie Zeit für sich findet, verbringt er diese mit seiner Ukulele, Experimenten, Lesen und (manchmal etwas) zu viel Nachdenken. Hier erfährst Du mehr über Andreas und seine Motivation. Wenn Du über neue Beiträge informiert werden möchtest, kannst Du Andreas auf Twitter folgen.